dort (unter 'Vorlesung 1') findet sich ein Audiomitschnitt meines Referats zum Download.
Vom 3. bis 5. März 2011 fand in Berlin ein Kongress der Neuen Gesellschaft für Psychologie (NGfP) MACHT KONTROLLE EVIDENZ statt, an dem ich teilnahm und auf dem ich ein Panel leitete:
http://2011.ngfp.de/
Mein Panel:
PANEL B 14:15-18:00 Uhr Sinn und Technik Moderation: Hans Peter Mattes
14:30 Uhr Ernst Schraube Soziale Symmetrie in der psychologischen Technikforschung
15:45 Uhr Niklas Alexander Chimirri Ausbruch aus der hegemonialen Lesart, oder:Wie kann die alltägliche Nutzung von Massenmedien gedacht werden?
17:00 Uhr Vanessa Lux Verschiebungen im biologischen Determinismus: Konsequenzen für die psychosoziale Praxis
In Vorbereitung ist ein Heft von Psychologie und
Gesellschaftskritik im Jahrgang 36,
2012, , das ich, voraussichtlich zusammen mit Barbara Zielke (Nürnberg),
herausgeben werde :
Call for Papers
»Zum Glück?«
Eine verbreitete Meinung geht dahin, unser Alltagsleben sei ›psychologisiert‹,
womit ausgedrückt werden soll, dass unsere Lebensführung maßgeblich in
Begriffen und Konzepten diskursiviert sei, die der Psychologie entlehnt sind.
Dafür spricht in der Tat vieles. Aber wie schauen diese bei genauerem Hinschauen
aus, woher stammen diese Konstrukte, wie verhält sich ihr alltäglicher Gebrauch
zur stattgefundenen oder stattfindenden Konzeptionalisierung in einer
entwickelten Wissenschaft, lassen sich in ihrer Genealogie tatsächlich
wissenschaftlich verfasste Diskurselemente als Quellen ausmachen – und wo?
Umgekehrt gefragt: Was konnte und kann die institutionalisierte
wissenschaftliche Psychologie zur Gestaltung unserer Leben, zum Gewinn eines
guten Lebens beitragen? Genauer: Welche effektive Macht übt die akademische
Psychologie in der Lebensführung der Vielen in unserer Kultur aus?
Sprechen wir vom Glück. Davon ist in der späten Moderne, zumal im
Postmodernismus, viel die Rede. Im Privaten, in den Medien, in Film, Literatur
und den performativen Künsten, auch in esoterischen und eschatologischen Lehren
und Ideologien. Ein Topos, der – unter dem Einfluss der christlich und
kantianisch determinierten Ethik lange Zeit randständig, weil moralisch eher
minderwertig – wieder philosophisch rezipiert und befördert wird. Unter
Rückgriff auf antike Konzepte und Diskurse hat sich hier ein neues Denken über
die Kunst der Lebensführung entwickelt. Kultur- und sozialwissenschaftlich
haben sich Debatten um die Subjektivierung des Glücks ergeben, gesellschafts-
und wirtschaftswissenschaftlich wird über die Wirkung des Wohlbefindens in
Institutionen und Organisationen gearbeitet. Die Neurowissenschaften haben die
biologischen und physiologischen Grundlagen von Glücksgefühlen entdeckt und die
Pharmakologie versucht daraus einschlägigen Nutzen (und Gewinn) zu schlagen.
All das hinterlässt deutliche Spuren in den Diskursen und Praxen des
individuellen sowie des sozialen Alltags.
Und die Psychologie? Es scheint, dass Glück kein bedeutendes Thema für unsere
Disziplin darstellt. Es gibt kaum Monographien bzw. Sammelwerke, allenfalls
taucht die Thematik implizit in therapeutischen Ansätzen, in Untersuchungen von
psychosozialen Problemfeldern sowie in organisationspsychologischen
Zufriedenheitsstudien auf. In aktuellen fachspezifischen Forschungsprojekten
ist explizit nichts zu finden.
Hat die akademisch institutionalisierte Psychologie hier nichts zu sagen? Und
wäre somit – trotz der augenfälligen ›Psychologisierung‹ unseres Alltagslebens
– eher wirkungsarm, was ihr spezifisches Diskursgewicht in den angesprochenen
Alltagspraxen betrifft? Reduziert überwiegend auf das, was sie als Teil der
Neurokognitionswissenschaften oder als psychosoziale und klinische
Interventionswissenschaft beizutragen hätte?
Psychologie & Gesellschaftskritik ruft dazu auf, uns zu diesen Vermutungen
und Fragen Manuskripte oder Exposés zu schicken. Wir haben vor, sie im Jahrgang
2010 zu einem thematischen Heft zu bündeln.
Die Zusendung von Manuskripten erbitten wir bis zum 30. Juni 2011 an
folgende Redaktionsadresse:
Realisierbare Ideen dazu oder gar schon Manuskripte, die in diesen
thematischen Rahmen passen? Über eine Kontaktaufnahme
würde ich mich sehr freuen.
Gerne möchte ich auch auf ein Projekt aufmerksam machen, das meine Herausgeberkollegin Barbara Zielke für Psychologie & Gesellschaftskritik verantwortet: ein Heft zum Thema "Kritische Sozialpsychologie".
Hier der Call for Papers: Kritische Sozialpsychologie?
„Man muss also auch
Politik treiben“ – so drückte Alexander
Mitscherlich in den 1950er Jahren seine Auffassung aus, sozialwissenschaftliche
Studien seien selbstverständlich mit der Kritik der gesellschaftlichen Verhältnisse
zu verbinden. Diese Auffassung lebt in vielen
Sozialwissenschaftler/innen fort, die sich auch heute einer kritischen
Tradition verpflichtet sehen. Jedoch steht diese kritische Tradition heute vor
vielen Fragen. Das mit dem linguistic
turn und dem cultural turn
verbundene Lob von Bedeutungsvielfalt und Wertepluralismus scheint immer wieder in ein Dilemma zu führen: Kritik, die
das Wissen voraussetzt oder impliziert, wie die Wirklichkeit eine objektiv
bessere werden kann, hat sich als Engführung desavouiert oder steht selbst vor
der möglichen Schwierigkeit zu einem topos
zu werden, der nicht nur starr und unflexibel macht, sondern auch selbst Gefahr
läuft, sich gegen Kritik zu immunisieren.
Und: Wer sich
„kritisch“ nennt, musste bislang angeben können, wer Subjekt der Kritik und wer
Nutznießer/in der zu erreichenden Emanzipation ist. Auch dies ist eine
klassische Voraussetzung kritischer Wissenschaft, die angesichts der
Infragestellung eindeutiger Zugehörigkeiten und der Pluralisierung von
Identität in der globalisierten Postmoderne immer schwieriger wird. Wo aber die
Lösung im Anschluss an dekonstruktivistisch-postmoderne Bewegungen
ausschließlich darin gesucht wird, sich auf ästhetische Formen subversiven
Spiels als heute adäquate Form der Kritik zu beschränken, droht Eskapismus.
Wie also
heute kritische Wissenschaft betreiben? Und wodurch muss eine sich auch heute
noch „kritisch“ verstehende Wissenschaft ausweisen? Psychologie & Gesellschaftskritik will der Reflexion auf die
Möglichkeiten einer kritischen sozialwissenschaftlichen Position in einer
eigenen Ausgabe nachgehen – und zwar mit Blick auf die deutschsprachige
Sozialpsychologie und das, was sich dort an „kritischen“ Orientierungen und
Bewegungen findet. Indem wir uns in dieser Ausgabe mit Ansätzen aus dem
deutschsprachigen Raum konzentrieren, schließen wir auch an das Heft 117,
„Critical Psychology“, an, welches sich mit kritisch-psychologischen Ansätzen
aus dem englischen Sprachraum, hauptsächlich Großbritannien, befasste.
Willkommen sind uns Beiträge aller, die sich heute
als Sozialpsycholog/innen einer kritischen Tradition verpflichtet sehen.
Die
Zusendung von Abstracts oder ausgearbeiteten Manuskripten erbitten wir bis zum
30. Juni 2011 an folgende Redaktionsadresse:
Psychologie
& Gesellschaftskritik
c/o
Dr. Ulrich Kobbé
iwifo-Institut
Postfach
30 01 25
D-59543
Lippstadt
eMail:
redaktion-pug@gmx.de